VOM GENERALUNTERNEHMER ZUM GESAMTDIENSTLEISTER

Die strukturellen Bedingungen der Bauwirtschaft behindern die Branchenakteure immer noch, vernetzt zu denken und interaktiv zu agieren. Die Rollen sind klar verteilt: Architekt, Bauingenieur, Elektro-, Heizungs-, Lüftungs-, Sanitärplaner, Generalunternehmer, Bewirtschafter. Jeder ist in seiner Disziplin ein hervorragender Fachmann; die Anforderungen und Möglichkeiten der anderen Bereiche kennt er jedoch kaum.

VEREINFACHENDE BETRACHTUNGSWEISE

Das heutige Verständnis von Planungs- und Bauprozessen ist relativ simpel: Am Anfang steht ein architektonischer Entwurf, der von verschiedenen Planern zur Ausführungsreife gebracht wird. Danach erfolgt die Umsetzung des architektonischen Konzepts durch eine Reihe weiterer Unternehmen. Mit dem Bezug beginnt die Nutzungsphase, die so lange besteht, bis das Gebäude aufgrund veränderter Bedürfnisse oder technischer Alterung neu positioniert werden muss.

WECHSELWIRKUNG DER ELEMENTE

Diese lineare Betrachtungsweise geht vom Ursache-Wirkungs-Prinzip aus. Zu Gunsten eines vereinfachenden, überschaubaren Blicks auf den Planungs- und Bauprozess ignoriert dieses Prinzip die Existenz von Wechselwirkungen sowie die Vernetzung der einzelnen Elemente untereinander. Heute wissen wir, dass vernetzte, interaktive Systeme respektive Prozesse sehr viel wirkungsvoller sind als simplifizierende, lineare. Beispiele aus den Neurowissenschaften und dem Internet belegen dies. Zukunftsfähig ist ein Bauvorhaben also nur, wenn es im Bewusstsein der Wechselwirkung aller Disziplinen und Anforderungen realisiert wird.

GANZHEITLICHE OPTIK

Noch viel zu oft werden beim architektonischen Entwurf Aspekte der unterschiedlichen Erneuerungs-Zyklen von Gebäudeteilen nicht bedacht oder sich verändernde Nutzerbedürfnisse bei der technischen Gebäudeausstattung vernachlässigt. Zu häufig stehen bei der Realisierung Baukosten und Erstellungszeit im Vordergrund, nicht jedoch Unterhalts- und Erneuerungskosten oder effiziente Betriebsabläufe.